Entwicklung eines risikoanalytischen Systemmodells der Gefahrgutbeförderung in typischen Transportketten
Themengebiet: Arbeitsschutz & Sicherheit
Branche: Verkehr & Nachrichtenübermittlung Land- & Forstwirtschaft
Kurzbeschreibung: Im Rahmen des Risikomanagements für Gefahrguttransporte übernimmt die Risikoanalyse wichtige Aufgaben: Sie identifiziert und bewertet mögliche Risiken, die bei der Beförderung gefährlicher Güter entstehen können, und legt damit sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht die Basis für die Entwicklung, Auswahl und Implementierung von risikopolitischen Maßnahmen. Das zu entwickelnde Geographischen Entscheidungsunterstützungssystems (SDSS), das den Namen GRAL (Gefahrgut-Risikoanalyse) trägt, dient damit zur Fundierung von risikopolitischen Entscheidungen hinsichtlich Gefahrguttransporten. Basis von GRAL ist die Effektanalyse, in der für einzelne Streckenabschnitte Risikokennzahlen für eine gegebene Parameterkonstellation ermittelt werden. Diese Ergebnisse werden als elementare Informationen anderen Anwendungen zugeführt und von diesen verarbeitet. Aufgabenbereiche von GRAL (und damit Anwendungen, die auf der Effektanalyse "aufsetzen") sind die Durchführung von
Routenplanungen für Gefahrguttransporte und von regionalen Risikoanalysen. Um streckenabschnittsbezogene Risikokennzahlen generieren zu können, müssen bestimmte Analysephasen durchlaufen werden: Bei einem Gefahrguttransport ist zunächst zu ermitteln, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Transportunfall geschehen kann. Mögliche Unfallszenarien sind mit den jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeiten zu bewerten. Anschließend ist eine Untersuchung des Containerverhaltens durchzuführen. Für das Gefahrgut sind Austritts- und Reaktionsszenarien zu benennen und zu quantifizieren. Zuletzt sind diejenigen Schutzobjekte zu identifizieren, die sich im Wirkungsbereich des ausgetretenen Gefahrgutes befinden können, und die potentiellen Schäden zu ermitteln. Die Untersuchung von Unfallszenarien sowie die Ermittlung möglicher Schäden ist in hohem Maße von der Funktionalität eines Geographischen Informationssystems (GIS) abhängig; im Rahmen der anderen Phasen finden hauptsächlich Modelle und Methoden
Verwendung, die dem Bereich Entscheidungsunterstützungssystem (Decision Support System - DSS) zugeordnet werden können. Erst die Integration von GIS und DSS kann die Anforderungen, die an das System gestellt werden, erfüllen. In GRAL wird diese Integration zu einem SDSS konsequent umgesetzt. Ein Aufgabenbereich von GRAL ist die Durchführung von Routenplanungen für Gefahrguttransporte. Mögliche Zielsetzungen lassen sich in zwei Gruppen einteilen - in ökonomische und in risikopolitische Ziele. Bei der Verfolgung einzelner Zielsetzungen werden individuell-optimale Lösungen generiert, d.h. Routen, die bezüglich einer, nicht aber zwangsläufig auch bezüglich der anderen Zielsetzungen optimal sind. In den meisten Fällen ergibt sich dadurch ein Trade-Off zwischen den einzelnen Lösungen. Bei der Auswahl einer umzusetzenden Route aus der Anzahl der generierten Routen wird der Entscheidungsträger insoweit unterstützt, als ihm der Trade-Off zwischen den Lösungen durch visuelle Animation und in
alphanumerischer Form aufgezeigt wird. Dem Benutzer wird außerdem die Möglichkeit geboten, Kompromißlösungen generieren zu lassen, beispielsweise durch die Ermittlung einer optimalen Route für eine gewichtete Zielfunktion. Der andere Aufgabenbereich von GRAL ist die Durchführung von regionalen Risikoanalysen. Dem Entscheidungsträger werden für eine ausgewählte Region Risikokennzahlen für die Streckenabschnitte geliefert, die ihn bei der Fundierung von verkehrspolitischen Entscheidungen unterstützen. Die generierten Risikokennzahlen werden dem Entscheidungsträger in unterschiedlicher Form angezeigt; insbesondere können auf der digitalen Karte Streckenabschnitte mit unterschiedlicher Risikoausprägung farblich dargestellt werden. Der Entscheidungsträger kann so schnell die mög lichen Risikoschwerpunkte erkennen und weitergehend analysieren.
Laufzeitbeginn: 01.04.1997
Laufzeitende: 31.07.1999
Förderung: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
Durchführende Institution: Universität Frankfurt, FB Wirtschaftswissenschaften, Institut für BWL Seminar für Logistik und Verkehr Prof.Dr. Isermann
http://www.witrans.uni-frankfurt.de/forschungsbericht/f3/i8/p400/prof.htm
Kontakt Prof. Dr. Heinz Isermann
Telefon: 069 / 798-23261
Email: isermann@wiwi.uni-frankfurt.de
Michael Huth
Telefon: 069 / 798-28926
Email: mhuth@wiwi.uni-frankfurt.de
Homepage: http://www.witrans.uni-frankfurt.de/forschungsbericht/f3/i8/p400/p1568.htm
Datum des Eintrags: 17.05.1999
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